Warum Hypnobirthing nicht nur für Hippies ist und warum die Hebammenfrage uns alle etwas angeht

Wieso haben Geburten eigentlich keine Lobby? Jeder wurde ja mal geboren, die meisten von uns sind Eltern, Großeltern oder ziehen zumindest in Betracht, einmal ein Baby zu bekommen – ob als Frau selbst oder als Partner. Trotzdem interessieren sich nur wenige für die Belange der Hebammen und deren prekäre wirtschaftliche Situation. Irgendwie werden die Babys ja trotzdem geboren, auch wenn nur eine Hebamme für fünf Frauen gleichzeitig im Kreißsaal verantwortlich ist. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Zeit in der Hebammen wichtig sind so kurz ist und gleichzeitig so viel passiert, dass wir die Arbeit, die diese Frauen leisten, gar nicht wirklich würdigen können.

Wir vergessen dabei aber einen wichtigen Punkt: Es ist nicht egal wie wir geboren werden. Es ist nicht egal ob ein Baby vaginal oder per Kaiserschnitt geboren wird, es ist auch nicht egal ob Mütter ihre Geburt als traumatisch erleben oder als traumhaft, und auch für Babies selbst ist es nicht egal. Es hängt einfach zu viel davon ab. Und wie Babies geboren werden hängt wiederum sehr davon ab, ob eine Hebamme dabei ist.

Die Geburt ist eben nicht nur nur ein kurzer Punkt im Leben, den Frauen achselzuckend abtun und der keinen Einfluss auf das weitere Leben des Kindes hat. Es sollte uns allen wichtig sein, wie Frauen in unserer Gesellschaft ihre Babies zur Welt bringen. Und alle Frauen im gebärfähigen Alter geht diese Frage ganz besonders an, auch wenn sie gerade nicht schwanger  sind oder einen konkreten Kinderwunsch haben (es ist ja schon vorgekommen, dass frau ausversehen schwanger wurde ;))

Hausgeburten, die von Hebammen betreut werden sind kein neuer Trend, genauso wenig wie Hypnobirthing. Ich weiß, dass viele Hausgeburten als unsicher betrachten, was sie nachgewiesenermaßen nicht sind, und Hypnobirthing als Spinnerei abtun. Der Name mag zunächst mal abschreckend sein und leicht setzt man die Methode mit Esoterik gleich, aber es steckt so viel mehr dahinter als auf den ersten Blick zu sehen ist. Es geht hier nicht um Einhörner umarmende Hippies, die um Bäume tanzen und allenfalls ein paar Kügelchen einschmeißen, im Notfall das Leben ihres Kindes riskierend, weil sie lieber zu Hause bleiben zum Gebären. Der hypnotische Zustand, der während der Geburt angestrebt wird, ist nicht abgedrehtes, nichts, zu dem nur einige Auserwählte fähig sind. Hypnose erleben wir mehr oder wenig alle und täglich, beim Lesen, wenn wir sehr in unsere Arbeit vertieft sind, beim Sport. Jeder Ausdauersportler kennt das „Runners High“ in dem man sozusagen im Fluss („Flow“) ist, in dem Zeit schnell verfliegt und in dem man quasi von allein rennt. Und diesen  „Flow“ gilt es auch unter der Geburt in Gang zu bringen und so wenig wie möglich zu stören.

Wenn man genau hinsieht, geht es darum zu gebären, wie Menschen seit Jahrtausenden geboren haben. In einem sicheren Rückzugsraum, in einem anderen „Bewusstseinszustand“, ohne Zeitdruck, ohne Vorgaben, ohne Panikmache und Pathologisierung durch medizinisches Personal. Denn Menschen sind biologische Wesen, Säugetiere, und als solche bekommen wir nun mal unsere Babys, nicht als kultivierte pünktliche Maschinen als die wir uns im Alltag so oft sehen. Und Hypnobirthing ist schlicht und einfach eine von mehreren Methoden, wie man während der Schwangerschaft und Geburt zurück zu eben diesen biologischen Wurzeln geht und lernt, seinem Körper bei seiner Arbeit nicht im Weg zu stehen. Die Hausgeburt unterstützt dann noch Frauen, die sich in Krankenhäusern unwohl und bevormundet fühlen, indem sie ihnen ein Gefühl von Privatsphäre vermittelt, dass für eine Geburt – eben auf Grund unserer Natur – essentiell ist. Und dadurch kann man tatsächlich eine schmerzarme Geburt erleben. Ich sehe nicht, wieso dieser Ansatz nicht von jeder einzelnen Schwangeren verfolgt werden sollte.

Das alles ist, wie schon gesagt, keine esoterische Spinnerei, sondern wissenschaftlich biologisch fundiert. Ich selbst bin Biologin und halte mich gern an Fakten:

  • Hebammen helfen, Kaiserschnitte zu verhindern LINK
  • Hausgeburten sind so sicher oder sicherer als Klinikgeburten LINKLINKLINK
  • Hypnobirthing funktioniert: kürzere Geburten, geringere Kaiserschnittraten, weniger Medikamente während der Geburt, dafür gibt es nicht nur wissenschaftliche Evidenzen (LINKLINK LINK) sondern ebenso tausende Erfahrungsberichte überall im Netz (leider meist auf Englisch) und natürlich meine persönliche Erfahrung

In Großbritannien wird nun offiziell für gesunde Frauen eine rein hebammenbetreute (Haus-)Geburt empfohlen. In Deutschland haben wir leider gerade die Gegenteilige Richtung eingeschlagen.

Eine Geburt muss von Schwangeren, medizinischen Personal und der ganzen Gesellschaft, wieder als ein normaler Prozess angesehen werden, den Frauen natürlicherweise durchlaufen, genauso wie Sex, Verdauung, Ausscheidung, wie andere biologische Prozesse. Geburt ist kein technischer Vorgang, den Ärzte überwachen, unterstützen oder selbst in die Hand nehmen müssen und bei dem die gebärende Frau nicht mehr als ein Objekt der Geburtshilfemaschinerie ist. Aber erst wenn (potentielle) werdende Eltern, insbesondere Schwangere, das erkennen und ihr Recht auf Selbstbestimmung sowohl im Kreißsaal selbst als auch in der gesellschaftlichen Diskussion einfordern, wird sich etwas ändern.

Auf Change.org kannst Du zu diesem Thema eine Petition unterzeichnen: Geburt darf keine Privatleistung werden: gegen die wirtschaftlich optimierte Geburt

Der Verein Mother Hood e.V. engagiert sich für die Verbesserung der Situation der Hebammen


Wenn mein Beitrag Dir gefallen hat, dann lass es mich wissen, darüber würde ich mich sehr freuen.  Wenn Du Fragen oder Anregungen hast, dann schreibe mir doch gern einen Kommentar oder kontaktiere mich direkt. Vielleicht bist Du selbst gerade schwanger und hast Angst vor der Geburt Deines Babys? Ich würde mich freuen, Dir persönlich helfen zu können (natürlich kostenlos!).

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft auf Deinem Weg.  – Susanne


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