Triff Deinen Abgeordneten

„Eine Revolution der westlichen Geburtskultur kann nicht von außen erzeugt werden. Sie kommt von innen! Aus den Frauen selbst! Mit jeder einzelnen, die sich selbst ermächtig.“

– Jobina Schenk

Bist Du gerade Schwanger? Oder hast Du versucht, in den letzten Jahren eine Hebamme zu finden, die Dich in der Schwangerschaft oder gar während Deiner Geburt betreut? Wenn ja, dann weißt Du sicher, dass das heute ganz und gar nicht einfach ist und man meist sehr früh anfangen muss, um noch eine Hebamme „zu ergattern“. Aber woher kommt dieser Mangel an Hebammen? – Sie müssen horrende und weiterhin ansteigende Haftpflichprämien zahlen und viele müssen deshalb ihre freiberufliche Tätigkeit oder zumindest die Geburtenbetreuung aufgeben. Die wenigen, die eine außerklinische Geburtenbetreuung anbieten, müssen viele Frauen abweisen, weil sie an der Grenze ihrer Kapazitäten arbeiten – ohne mit ihrem Verdienst große Sprünge machen zu können. Viele dieser tollen Frauen arbeiten Tag und Nacht (bei Geburten mit 1:1 Betreuung und Rufbereitschaft lässt sich das nicht vermeiden) und können von ihrem Erlös trotzdem ihre Familie nicht ernähren.

Die Mitglieder von Mother Hood e.V. haben eine tolle Aktion ins Leben gerufen: Sie wollen auf die Hebammenproblematik aufmerksam machen, nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Politiker. Mit der Aktion triff Deinen Abgeordneten! unterstützen sie Dich, damit Du Dich für die Hebammen stark machen kannst.

Aber wieso eigentlich?

„Hausgeburten sind doch sowieso viel zu gefährlich, ich bekomme mein Kind in einer Klinik!“

Haus- und Geburtshausgeburten sind bei weitem nicht so gefährlich, wie man landläufig immer denkt. Im Gegenteil: für eine gesunde Schwangere gibt es kein erhöhtes Risiko bei einer außerklinischen Geburt – bei deutlich geringerer Interventionsrate.

Auch wenn Du in einer Klinik gebären willst, geht Dich die Hebammenproblematik etwas an. Denn freiberufliche Hebammen arbeiten nicht nur im Geburtshaus und in freien Praxen. 60 % der Hebammen sind freiberuflich tätig – und davon arbeitet ein Großteil in Kliniken. Und die Kliniken selbst müssen natürlich für Festangestellte auch Haftpflichtprämien zahlen – was sich für kleinere Häuser oft nicht rentiert. Zudem müssen festangestellte Hebammen oft einen Teil der Versicherung selbst tragen. Viele Geburtsabteilungen kleiner Kliniken mussten bereits geschlossen werden – und es werden auch in Zukunft viele folgen. Das führt dazu, dass Anfahrtswege für Frauen vor allem in ländlichen Gebieten immer länger werden. Und das kann und wird Folgen haben.

„Eine 1:1 Betreuung bei der Geburt? Das ist doch viel zu teuer und auch unnötig!“

Studien zeigen, dass eine enge Betreuung von Geburten durch Hebammen weniger Kaiserschnitte und mehr VBACs zur Folge hat. Wenn eine Frau während der Geburt Unterstützung von einer Hebamme erfährt, die wirklich Zeit hat sich ihr zuzuwenden und nicht nur von Kreißsaal zu Kreißsaal hetzt, dann hat sie oft eine leichtere Geburt. Wir Frauen sind nunmal keine Maschinen, keine Backöfen, die vom Schwesternzimmer aus fernüberwacht werden können, nur um Personal einzusparen.

Und man sollte nicht vergessen, dass die Unterbesetzung der Kreißsäle natürlich auch für die Hebammen in der Klinik eine furchtbare Situation ist. Mehr Hebammen bedeuten zwar mehr Personalkosten, aber auch weniger Kosten für teure Interventionen wie Kaiserschnitte. Die finanziellen Anreize im Gesundheitssystem müssen verändert werden.

Unnötige Kaiserschnitte bergen zudem nicht unerhebliche Risiken für jede Frau, und sind kein „schneller Weg“ für eine einfachere Geburt.

„Ist doch egal, wie eine Geburt abläuft, der eine Tag im Leben…“

Wie es einer Mutter bei und nach der Geburt geht ist eben nicht egal, nicht für sie, nicht für das Baby und auch nicht für die gesamte Familie. Auch wenn das Baby gesund ist: Negative Geburten beinflussen das Seelenleben von betroffenen Frauen oft jahrelang! Man sollte auch einen einzelnen Tag, eine einzelne Stunde nicht unterschätzen (das tun wir ja auch nicht bei guten Tagen, wie zum Beispiel unserer Hochzeit).

„Wozu braucht man schon Hebammen, es gibt doch Ärzte?“

In den USA haben wir genau die Situation, auf die wir in Deutschland zusteuern: viele Geburtsmediziner, wenige Hebammen – und eine vier mal höhere Müttersterblichkeit als hierzulande. Hebammen kann man nicht durch Mediziner ersetzen. Diese uralte Berufsgruppe ist nicht einfach nur Helfershelfer von Ärzten. Sie sind essentiell für sichere und selbstbestimmte Geburt. Hebammen haben schon von vorn herein eine andere Herangehensweise an die Geburt als Ärzte, sie haben Frauen als ganzes im Blick, keine Krankheiten und mögliche Komplikationen.

Auch laut Gesetz dürfen Ärzte alleine nur im Notfall eine Geburt betreuen, es muss eine Hebamme hinzugezogen werden.

„Ich bin ja gar keine Mutter, die Sache geht mich nichts an.“

Auch zukünftige Eltern müssen ein Interesse daran haben, dass der Hebammenberuf nicht ausstirbt. Sind die Hebammen erst einmal abgeschafft, wird es lange dauern, wieder eine ausreichende Versorung aufzubauen. Auch wenn Du Dir jetzt kein Kind wünschst – in zehn Jahren könntest Du das anders sehen – und bereuhen, dass Du jetzt nichts getan hast.

Und auch wenn Du nie ein Kind gebären solltest – Du selbst hast höchstwahrscheinlich einmal die Hilfe einer Hebamme in Anspruch genommen: bei Deiner eigenen Geburt.

„Was kann ich schon tun?“

Stell Dir eine Welt vor, in der jede einzelne Frau so gedacht hätte. Die Frauen, die für Gleichberechtigung gekämpft haben. Die Frauen die für das Wahlrecht gekämpft haben. Die Frauen, die gegen den Abtreibungsparagraphen gekämpft haben. Sie haben sich nicht ihr Schicksal ergeben. Wir müssen unsere Hebammen retten, jetzt! Was wollen wir denn unseren Töchtern und Enkelinnen sagen? „Ja, als Du zur Welt kamst, da gab es noch Hebammen. Bei ihrer Abschaffung haben wir aber still zugesehen.“ – Nein, eine solche Zukunft möchte ich mir gar nicht vorstellen.

„Ich habe dafür keine Zeit.“

Es stimmt, so ein Treffen zu organiesieren, vorzubereiten und durchzuführen kostet Zeit, Zeit die gerade junge Eltern oft nicht haben. Aber die Aktion von MotherHood e.V. unterstützt Dich so gut wie Möglich bei der Vorbereitung und nimmt Dir viel ab.  Nur wenn viele sich zusammen tun, hinterlassen wir blebenden Eindruck und haben eine Chance darauf, dass wirklich auch etwas geschieht. Und die Belange von Familien nicht übersehen werden.

Und so geht’s:

Wenn Du gerade geboren hast oder aus einem anderen Grund nicht in der Lage bist, Dich mit Deinem Abgeordneten zu treffen, dann schreibe einen Brief (Ich selbst habe vor einigen Monaten einen offenen Brief an Herrn Gröhe geschrieben – Du kannst ihn als Vorlage nehmen, wenn Du willst).

Wir können nicht darauf warten, dass sich die Welt zu unseren Gunsten ändert!
Wir müssen uns engagieren – für uns, für unsere Schwestern und Freundinnen, unsere Töchter und Enkelinnen. Und für diese wundervollen Frauen, die diesen tollen Beruf ausüben wollen. Wir alle schulden ihnen etwas.

Bitte teile diese Aktion mit deinen Bekannten, Freunden und Kollegen. Wir können etwas ändern! Gemeinsam!

 

Zum Weiterlesen:

Warum wir freie Hebammen brauchen von Susanne von geborgen-wachsen.de

Zahlen und Fakten von MotherHood e.V.

Übersicht über die Haftpflichtproblematik von unsere-hebammen.de

Hintergrundwissen zur Hebammensituation von hebammenfuerdeutschland.de

Die ZEIT-Artikel zur Hebammensituation

 

 

 

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