Wissenswert

Gastbeitrag: Wie Dir Achtsamkeit hilft, Dich auf Deine Geburt vorzubereiten

Ich freue mich heute euch den allerersten Gastbeitrag auf meinem Blog veröffentlichen zu können. Er kommt von Tanja Liebl.

Tanja ist als Hebamme und BeraterinOhne Titel in Österreich in freier Praxis tätig. Zu ihren Schwerpunkten zählen die Geburtsvorbereitung mit Hypnobirthing & Achtsamkeit, Schwangerschaftscoaching und die Aufarbeitung schwieriger Erlebnisse rund um Schwangerschaft und Geburt (EMI-Eye Movement Integration-Traumtechnik).

Oft rauscht unser Alltag (nicht nur aber auch in der Schwangerschaft) einfach so an uns vorbei. Das Konzept von Achtsamkeit versuche ich deshalb immer mehr in mein Leben zu integrieren und es passt meiner Meinung nach sehr gut zum Thema Geburt – ich bin gespannt, was Tanja uns berichtet.

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Triff Deinen Abgeordneten

„Eine Revolution der westlichen Geburtskultur kann nicht von außen erzeugt werden. Sie kommt von innen! Aus den Frauen selbst! Mit jeder einzelnen, die sich selbst ermächtig.“

– Jobina Schenk

Bist Du gerade Schwanger? Oder hast Du versucht, in den letzten Jahren eine Hebamme zu finden, die Dich in der Schwangerschaft oder gar während Deiner Geburt betreut? Wenn ja, dann weißt Du sicher, dass das heute ganz und gar nicht einfach ist und man meist sehr früh anfangen muss, um noch eine Hebamme „zu ergattern“. Aber woher kommt dieser Mangel an Hebammen? – Sie müssen horrende und weiterhin ansteigende Haftpflichprämien zahlen und viele müssen deshalb ihre freiberufliche Tätigkeit oder zumindest die Geburtenbetreuung aufgeben. Die wenigen, die eine außerklinische Geburtenbetreuung anbieten, müssen viele Frauen abweisen, weil sie an der Grenze ihrer Kapazitäten arbeiten – ohne mit ihrem Verdienst große Sprünge machen zu können. Viele dieser tollen Frauen arbeiten Tag und Nacht (bei Geburten mit 1:1 Betreuung und Rufbereitschaft lässt sich das nicht vermeiden) und können von ihrem Erlös trotzdem ihre Familie nicht ernähren.

Die Mitglieder von Mother Hood e.V. haben eine tolle Aktion ins Leben gerufen: Sie wollen auf die Hebammenproblematik aufmerksam machen, nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Politiker. Mit der Aktion triff Deinen Abgeordneten! unterstützen sie Dich, damit Du Dich für die Hebammen stark machen kannst.

Aber wieso eigentlich?

„Hausgeburten sind doch sowieso viel zu gefährlich, ich bekomme mein Kind in einer Klinik!“

Haus- und Geburtshausgeburten sind bei weitem nicht so gefährlich, wie man landläufig immer denkt. Im Gegenteil: für eine gesunde Schwangere gibt es kein erhöhtes Risiko bei einer außerklinischen Geburt – bei deutlich geringerer Interventionsrate.

Auch wenn Du in einer Klinik gebären willst, geht Dich die Hebammenproblematik etwas an. Denn freiberufliche Hebammen arbeiten nicht nur im Geburtshaus und in freien Praxen. 60 % der Hebammen sind freiberuflich tätig – und davon arbeitet ein Großteil in Kliniken. Und die Kliniken selbst müssen natürlich für Festangestellte auch Haftpflichtprämien zahlen – was sich für kleinere Häuser oft nicht rentiert. Zudem müssen festangestellte Hebammen oft einen Teil der Versicherung selbst tragen. Viele Geburtsabteilungen kleiner Kliniken mussten bereits geschlossen werden – und es werden auch in Zukunft viele folgen. Das führt dazu, dass Anfahrtswege für Frauen vor allem in ländlichen Gebieten immer länger werden. Und das kann und wird Folgen haben.

„Eine 1:1 Betreuung bei der Geburt? Das ist doch viel zu teuer und auch unnötig!“

Studien zeigen, dass eine enge Betreuung von Geburten durch Hebammen weniger Kaiserschnitte und mehr VBACs zur Folge hat. Wenn eine Frau während der Geburt Unterstützung von einer Hebamme erfährt, die wirklich Zeit hat sich ihr zuzuwenden und nicht nur von Kreißsaal zu Kreißsaal hetzt, dann hat sie oft eine leichtere Geburt. Wir Frauen sind nunmal keine Maschinen, keine Backöfen, die vom Schwesternzimmer aus fernüberwacht werden können, nur um Personal einzusparen.

Und man sollte nicht vergessen, dass die Unterbesetzung der Kreißsäle natürlich auch für die Hebammen in der Klinik eine furchtbare Situation ist. Mehr Hebammen bedeuten zwar mehr Personalkosten, aber auch weniger Kosten für teure Interventionen wie Kaiserschnitte. Die finanziellen Anreize im Gesundheitssystem müssen verändert werden.

Unnötige Kaiserschnitte bergen zudem nicht unerhebliche Risiken für jede Frau, und sind kein „schneller Weg“ für eine einfachere Geburt.

„Ist doch egal, wie eine Geburt abläuft, der eine Tag im Leben…“

Wie es einer Mutter bei und nach der Geburt geht ist eben nicht egal, nicht für sie, nicht für das Baby und auch nicht für die gesamte Familie. Auch wenn das Baby gesund ist: Negative Geburten beinflussen das Seelenleben von betroffenen Frauen oft jahrelang! Man sollte auch einen einzelnen Tag, eine einzelne Stunde nicht unterschätzen (das tun wir ja auch nicht bei guten Tagen, wie zum Beispiel unserer Hochzeit).

„Wozu braucht man schon Hebammen, es gibt doch Ärzte?“

In den USA haben wir genau die Situation, auf die wir in Deutschland zusteuern: viele Geburtsmediziner, wenige Hebammen – und eine vier mal höhere Müttersterblichkeit als hierzulande. Hebammen kann man nicht durch Mediziner ersetzen. Diese uralte Berufsgruppe ist nicht einfach nur Helfershelfer von Ärzten. Sie sind essentiell für sichere und selbstbestimmte Geburt. Hebammen haben schon von vorn herein eine andere Herangehensweise an die Geburt als Ärzte, sie haben Frauen als ganzes im Blick, keine Krankheiten und mögliche Komplikationen.

Auch laut Gesetz dürfen Ärzte alleine nur im Notfall eine Geburt betreuen, es muss eine Hebamme hinzugezogen werden.

„Ich bin ja gar keine Mutter, die Sache geht mich nichts an.“

Auch zukünftige Eltern müssen ein Interesse daran haben, dass der Hebammenberuf nicht ausstirbt. Sind die Hebammen erst einmal abgeschafft, wird es lange dauern, wieder eine ausreichende Versorung aufzubauen. Auch wenn Du Dir jetzt kein Kind wünschst – in zehn Jahren könntest Du das anders sehen – und bereuhen, dass Du jetzt nichts getan hast.

Und auch wenn Du nie ein Kind gebären solltest – Du selbst hast höchstwahrscheinlich einmal die Hilfe einer Hebamme in Anspruch genommen: bei Deiner eigenen Geburt.

„Was kann ich schon tun?“

Stell Dir eine Welt vor, in der jede einzelne Frau so gedacht hätte. Die Frauen, die für Gleichberechtigung gekämpft haben. Die Frauen die für das Wahlrecht gekämpft haben. Die Frauen, die gegen den Abtreibungsparagraphen gekämpft haben. Sie haben sich nicht ihr Schicksal ergeben. Wir müssen unsere Hebammen retten, jetzt! Was wollen wir denn unseren Töchtern und Enkelinnen sagen? „Ja, als Du zur Welt kamst, da gab es noch Hebammen. Bei ihrer Abschaffung haben wir aber still zugesehen.“ – Nein, eine solche Zukunft möchte ich mir gar nicht vorstellen.

„Ich habe dafür keine Zeit.“

Es stimmt, so ein Treffen zu organiesieren, vorzubereiten und durchzuführen kostet Zeit, Zeit die gerade junge Eltern oft nicht haben. Aber die Aktion von MotherHood e.V. unterstützt Dich so gut wie Möglich bei der Vorbereitung und nimmt Dir viel ab.  Nur wenn viele sich zusammen tun, hinterlassen wir blebenden Eindruck und haben eine Chance darauf, dass wirklich auch etwas geschieht. Und die Belange von Familien nicht übersehen werden.

Und so geht’s:

Wenn Du gerade geboren hast oder aus einem anderen Grund nicht in der Lage bist, Dich mit Deinem Abgeordneten zu treffen, dann schreibe einen Brief (Ich selbst habe vor einigen Monaten einen offenen Brief an Herrn Gröhe geschrieben – Du kannst ihn als Vorlage nehmen, wenn Du willst).

Wir können nicht darauf warten, dass sich die Welt zu unseren Gunsten ändert!
Wir müssen uns engagieren – für uns, für unsere Schwestern und Freundinnen, unsere Töchter und Enkelinnen. Und für diese wundervollen Frauen, die diesen tollen Beruf ausüben wollen. Wir alle schulden ihnen etwas.

Bitte teile diese Aktion mit deinen Bekannten, Freunden und Kollegen. Wir können etwas ändern! Gemeinsam!

 

Zum Weiterlesen:

Warum wir freie Hebammen brauchen von Susanne von geborgen-wachsen.de

Zahlen und Fakten von MotherHood e.V.

Übersicht über die Haftpflichtproblematik von unsere-hebammen.de

Hintergrundwissen zur Hebammensituation von hebammenfuerdeutschland.de

Die ZEIT-Artikel zur Hebammensituation

 

 

 

#positiveGeburtskultur – Selbstbestimmung

Es ist mir egal, auf welche Art Du geboren hast… Eine Hausgeburt, ein Wunschkaiserschnitt, mit PDA im Krankenhaus oder eine Alleingeburt im Wald neben einem Rehkitz.

Es mir wichtig, dass Du Wahlmöglichkeiten hattest und dass Du in Deinen Entscheidungen unterstützt und respektiert wurdest.

January Harshe (Birth without fear)

Bei der Geburt meines ersten Sohnes lief so einiges nicht ideal. Ich sollte liegen (auf der Seite – immerhin), aber durch das Liegen kam ich mit den Wehen überhaupt nicht mehr zurecht – eine aufrechte Position wäre viel besser für mich gewesen. Theoretisch wusste ich das auch und ich hatte auch absolut nicht das Bedürfnis mich hinzulegen, aber „es musste eben sein“. Nach der Geburt wurde meinem Sohn dann vollkommen übereilt wegen möglichen Sauerstoffmangels, die Nabelschnur durchtrennt. Ich hatte dabei keinerlei Mitspracherecht. Wir hatten geplant, sie auspulsieren lassen, was viele Vorteile mit sich bringt – gerade auch wenn das Baby möglicherweise unterversorgt war. Ich war einfach nur überrumpelt und genauso ging es meinem Mann. Außerdem wussten wir schlicht und einfach nicht, dass es vollkommen normal ist, dass Babys die Nabelschnur um den Hals haben können und dass das nur selten wirklich Probleme macht. Die behandelnde Ärztin bestand jedoch darauf, den pH-Wert des Blutes zu messen – und dann wird das eben so gemacht. Punkt. Und wir guckten nur dabei zu.


Viele werdende Mamas (und Papas) haben keine Übersicht welche Behandlungen in der Schwangerschaft, unter und nach der Geburt sinnvoll sind und was ihnen zusteht – und vertrauen blind den Entscheidungen der Ärzte. Oftmals werden Prozeduren und Eingriffe nicht Erklärt und keine Alternativen aufgezeigt. Und wenn man selbst doch gut informiert ist, ist es immer noch schwer den behandelnden Medizinern Paroli zu bieten, selbst wenn man sich mit einer Entscheidung unwohl fühlt.

Wenn man im Krankenhaus ist, umgeben von „Experten“, ist es nur zu verständlich, dass man sich sich leicht einschüchtern lässt oder einfach die Führung abgibt. Und bei einem so komplexen Feld wie Geburtshilfe ist es schwer als Laie den Überblick zu behalten.  Wenn also zu einem Kaiserschnitt geraten wird (zum Beispiel wegen eines angeblich zu großen Kindes) oder zu einer Einleitung wegen Überschreitung des „Geburtstermins“ um wenige Tage, dann muss man schon sehr viel wissen und auch sehr viel Selbstvertrauen mitbringen, um sich gegen solche, oftmals unnötigen, Eingriffe wehren zu können. Viele Frauen, und ich nehme mich auch nicht aus, schaffen es nicht sich gegen die Ärzte durchzusetzen (eben auch, weil man unter der Geburt sehr verletzlich und nicht wehrhaft ist).

Wieso ist es wichtig sich über Selbstbestimmung unter der Geburt bewusst zu werden?

Wenn Du Dein erstes Baby bekommst, oder vielleicht auch bei einer zweiten oder dritten Geburt, werde Dir bewusst, dass es wichtig ist, dass Du selbst bestimmst, was in Deiner Schwangerschaft und Deiner Geburt mit Dir passiert. Wir denken oft, dass Ärzte und Hebammen nur in unserem Interesse handeln. Viele Geburtshelfer (ganz bestimmt nicht alle!) haben aber ihre ganz eigene Agenda und eigene Motivationen. Leider gehen viele Ärzte an Geburten heran wie an alle anderen Krankheiten, weil sie das während ihrem Studium genau so lernen und nur selten später hinterfragen. Eine Geburt ist aber keine Krankheit, sie muss in den allermeisten Fällen nicht von außen beeinflusst werden. Aber das erleben die meisten im Krankenhaus arbeitenden Fachkräfte nie (welcher Arzt ist schon bei einer unbeinflussten Hausgeburt dabei?). Außerdem gibt es gerade im Krankenahus Zeitpläne und Abläufe, in denen manche Freiheiten einfach nicht reinpassen, schlicht unbequem sind oder durch Personalmangel schwer möglich. Oder aber die Dinge werden so gemacht, weil sie schon immer so gemacht wurden, in einem Lehrbuch stehen und demnach so gelernt wurden. Außerdem sind manche Einsichten, obwohl wissenschaftlich begründet, einfach noch nicht zu jedem durchgedrungen (Wie zum Beispiel die Nachteile der Rückenlage oder des angeleiteten Pressens). Es kann also sein, dass Du etwas willst, das Dir nicht gestattet wird, oder dass etwas mit Dir gemacht wird, das Du nicht möchtest. Und ja, auch wenn bei der Kreißsaalführung versprochen wird auf Wünsche einzugehen, muss das später nicht unbedingt eingehalten werden. Mache Dir (und unbedingt auch Deinem Partner) diese Problematik bewusst, falls Du das noch nicht getan hast.

Wissen ist Macht

Gerade, aber natürlich nicht nur, wenn man eine Krankenhausgeburt plant, halte ich es deshalb es für ausgesprochen wichtig, dass sich werdende Mamas (und der Geburtspartner!) über Sinn und Unsinn geburtsmedizinischer Eingriffe informieren um im Zweifelsfall widersprechen zu können. Wer nichts weiß, der kann auch nichts bestimmen! Du brauchst deswegen natürlich kein Medizinstudium zu absolvieren. Es gibt viele tolle Blogs (siehe zum Beispiel meine Blogroll) und Bücher zum Thema. Setze Dich mit dem Thema vorher auseinander und werde Dir klar, was Du willst, und was nicht. Vertraue nicht blind einer einzigen Quelle, informiere Dich umfassend. Und schreibe dann Deine Wünsche in einem Geburtsplan auf.
Wenn Du komplett unvorbereitet und unwissend in die Geburtssituation hineingehst, dann bist Du dem Können und der Einstellung Deiner Hebamme (und/oder des Arztes) in jedem Fall ausgeliefert (und ja, das kann natürlich auch gut gehen). Wenn Du (und Dein Partner) nichts über günstige und ungünstige Gebärpositionen weißt und die Dir (zufällig) zugeteilte Hebamme Dich eben zum Rückenliegen anleitet, dann hast Du keine Chance selbst zu bestimmen. Viele Dinge, von denen man so landläufig denkt, dass sie eine Geburt sicherer machen (zum Beispiel das CTG), machen sie objektiv gesehen gar nicht sicherer. Viele Dinge, die man als notwendig ansieht, stören aber den natürlichen Prozess der Öffnung und Entspannung bei der Geburt (zum Beispiel die Anwesenheit von vielen Personen und Routineuntersuchungen wie die das Kontrollieren der Öffnung des Muttermundes).
Ich denke, viele Ärzte tendieren dazu, Patienten, die widersprechen zu belächeln oder sie als Störung ihrer Routine zu sehen und sich über „Dr. Google“ lustig zu machen. Die Wahrheit ist: wir leben in einem Zeitalter, in der Information nicht nur wenigen Studierten zugänglich ist. Auch wenn es mühsam ist, wir können uns über fast alle Eingriffe informieren und wir dürfen kritisch nachfragen. Blindes Vertrauen ist heute einfach nicht mehr nötig, nutze die Möglichkeiten, die unsere Mütter und Großmütter noch nicht hatten. Du informierst Dich eingehend über Kinderwagen- und möbel – informiere Dich genauso detailliert zu möglichen Geburtskomplikationen und Eingriffen, über Entspannungstechniken für die Geburt und deinen Geburtsort.

Selbstbestimmung – Eigenverantwortung

Oft ist so, dass man die Dinge, die einen stören nur ansprechen muss. Bei einigen Hebammen rennt man eventuell sogar offene Türen ein mit einigen Forderungen. Andere werden zähneknirschend nachgeben. Auch, und das sollte man nicht vergessen, arbeitet das Personal oft am Limit (und darüber hinaus) und Wünsche werden auch mal schlicht vergessen. Du musst und darfst Dein Selbstbestimmungsrecht nicht an der Kreißsaaltür abgeben, frage nach, stelle Forderungen. Aber sei darauf vorbereitet, dass Du während der Geburt verletzlicher bist und Dich weniger gut wehren kannst (ob nun gegen verbale oder physische Übergriffe oder einfach dagegen, dass Dir Deine Entscheidungsfreiheit abgesprochen wird). Ganz besonders Dein Geburtspartner hat hier eine große Aufgabe, eben weil Du selbst in einem so emotional offenen und damit verletzlichen Zustand bist. Kein Paar sollte in einem solchen Moment kämpfen müssen – leider läuft es aber nicht immer ideal. Lasst Euch in einem solchen Fall nicht einschüchtern, es ist Deine Geburt, Du selbst trägst die Verantwortung (kein Arzt, keine Schwester, keine Hebamme kann Dir die Sicherheit Deines Babies garantieren, auch mit noch so vielen Interventionen). Ob in der Schwangerschaft oder während der Geburt: sei eine mündige Patientin und fordere ein was Dir zusteht: ein Arzt-Patienten-Verhältnis auf Augenhöhe! In keiner anderen Situation würden wir uns eine solche Behandlung von oben herab gefallen lassen. Nur wenn es vermeintlich um das Kindeswohl geht (und dies wird oft schnell angedroht), dann lassen wir uns einschüchtern. Und dagegen gibt es nur eine Waffe: Wissen und den Mut, dieses Wissen auch anzuwenden und entsprechend durchzusetzen.

Selbstbestimmung einfordern – Verletzungen anklagen

Eine ganz andere Ebene von fehlender Selbstbestimmung ist es natürlich, wenn Gebärenden Bitten abgeschlagen, Forderungen übergangen und Erklärungen verweigert werden. Eine Frau sollte während der Geburt Entscheidungen selbst treffen können (ob sie nur für oder gegen eine bestimmte Intervention sind). Es ist auch kein Konsens, wenn eine Partei durch Horrorszenarien eingeschüchtert wird. Und in keinem Fall darf jemand Dich verbal oder körperlich verletzen – auch nicht „zum Wohl des Kindes“.
Um nicht auf Gedeih und Verderb Deinem Glück ausgesetzt zu sein, eine Hebamme zugeteilt zu bekommen, mit der Du Dich gut verstehst, halte ich es für wichtig, Dein Geburtsteam schon vor der Geburt gut auszusuchen. Wenn wir uns ein Auto kaufen, losen wir ja Marke und Modell auch nicht einfach aus, sondern suchen uns das Auto, was zu uns und unserer Situation passt. Also Frage vor der Geburt im Krankenhaus kritisch nach und versuche mehr über die Einstellung des Geburtspersonals zu erfahren. Wie ist die Rate an Kaiser- und Dammschnitten? Welche Maßnahmen werden routinemäßig durchgeführt? Alles das kann Dir Anhaltspunkte geben, Dich für die eine oder andere Klinik zu entscheiden, solltest Du in einer Klinik gebären wollen. Ideal ist es natürlich, die Hebamme schon vor der Geburt kennenzulernen, wie etwa eine frei arbeitende Hebamme. Diese werden leider immer rarer und sind schnell ausgebucht. Solltest Du keine freie Hebamme finden, die Dich begleiten kann, wäre eine Doula eventuell eine Option für Dich. Sie kann Dir und Deinem Partner helfen, Eure Wünsche und Entscheidungen zu artikulieren. Und auch Dein Geburtspartner sollte darauf vorbereitet sein, Dich falls nötig vor unnötigen Ein- und Übergriffen zu schützen.
Wenn Du das Gefühl hast, dass Dir Dein Selbstbestimmungsrecht während der Geburt beschnitten oder genommen wurde, dann ist es wichtig, dem betreffenden Krankenhaus bzw. der Hebamme ein Feedback zu geben. Zu viele Frauen, tun es einfach als normal ab, wie sie behandelt wurden. Aber es ist nicht normal und es ist nicht akzeptabel, wenn auf Deine Wünsche und Forderungen nicht eingegangen wird. Ein Brief, zum Beispiel am RosesRevolutionDay oder eine persönliche Rücksprache (wenn Du Dich dazu in der Lage siehst), kann eine Option sein. Die Kliniken brauchen Rückmeldungen von viel mehr Frauen, damit sich die Situation von Gebärenden Frauen ändert! Wir sind es den Frauen, die nach uns gebären, unseren Freundinnen, Schwestern und Töchtern schuldig. Für eine #positiveGeburtskultur

Wenn mein Beitrag Dir gefallen hat oder Du Anmerkungen oder Diskussionsbedarf hast, dann lass es mich wissen – schreibe mir gerne einen Kommentar :)

Vielleicht bist Du selbst gerade schwanger oder planst eine Schwangerschaft und hast Angst vor der Geburt Deines Babys? Ich würde mich freuen, Dir persönlich helfen zu können (natürlich kostenlos!).

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft auf Deinem Weg.  – Susanne


 

#positiveGeburtskultur – Der Sinn des Geburtsschmerzes

Manchmal könnte man meinen, es gälte eine Trophäe zu gewinnen, wenn es um Geburt geht. Wer die meisten Schmerzen am längsten ertragen hat, der gewinnt. Wer am längsten trotz der Schmerzen ohne Schreien, ohne Medikamente und ohne PDA ausgehalten hat, gewinnt. Da packt auch schnell mal die Oma noch ihre Geburtsgeschichte aus. Aber er hat ja auch seinen Sinn, der Geburtsschmerz. Oder?

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#positiveGeburtskultur – Die perfekte Geburt

Auf diesem Blog geht es darum, wie ich meine Traumgeburt erlebt habe, welche Dinge mir auf meinem Weg dazu geholfen haben und welche Themen Rund um Schwangerschaft und Geburt mich noch heute interessieren. Ich würde auch meinen Leserinnen so gern dabei helfen, eine wunderschöne Geburt zu erleben und vor allem ihnen die Angst vor der Geburt und den Schmerzen zu nehmen; das ist mein Hauptanliegen. Was Traumgeburt für mich nicht bedeutet ist die „perfekte Geburt„. Denn sehen wir der Wahrheit ins Auge: wir sind alle nur Menschen und Menschen sind nicht perfekt. Auch meine zweite Geburt war nicht perfekt. Und wenn wir diesen Maßstab an uns anlegen, dann werden wir immer enttäuscht werden. Geburt ist eben auch unberechenbar und auch wenn man alles beachtet, gibt es Variablen, die man nicht beeinflussen kann.

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Geheimnisse einer schmerzarmen Geburt #5: Professionelle Unterstützung

Wenn Du keine Alleingeburt planst, dann solltest Du Dir im Vorfeld Gedanken um Dein „Geburtsteam“ machen, das Dich in Schwangerschaft und unter der Geburt professionell betreut. Möchtest Du außerklinisch gebären? Oder mit einer Beleghebamme oder einem Belegarzt oder in der Klinik? Jede Frau muss da ihren eigenen Weg finden, hier beschreibe ich mal explizit meine eigenen Erfahrungen und die daraus entstandenen Präferenzen.

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Immer mit der Ruhe: Der erratene Termin

Es ist die magische Zahl, das magische Datum zu Beginn einer Schwangerschaft auf das man automatisch hinfiebert, wenn man sich erstmal der Schwangerschaft bewusst ist: der „errechnete Termin“, abgekürzt ET. Eine „genormte“ Schwangerschaft dauert 280 Tage nach der letzten Regelblutung. Den ET kann man zum Beispiel mit einem Rechner im Internet einfach selbst berechnen, wenn man das Datum der letzten Regelblutung kennt. Hier zahlt es sich aus, wenn man schon zuvor einen Überblick über den eigenen Zyklus und weiß, wann der Eisprung stattgefunden hat. Wenn Du von Dir selbst weißt, dass Dein Eisprung verschoben war, dann ist es sinnvoll, das in die Berechnung des ET bzw. des Schwangerschaftsalters miteinzubeziehen. Denn ein um einige Tage verschobener Eisprung macht am Ende der Schwangerschaft vielleicht den Unterschied zwischen einer eingeleiteten oder einer natürlich begonnenen Geburt aus. Oder im umgekehrten Fall macht er den Unterschied zwischen einer Hausgeburt und einer Klinikgeburt aus, weil das Baby statt bei 37+0 schon bei „36+3“ kommt. 

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Von Sorgen und Katastrophen

Stelle Dir die folgende Szene in einem Film vor: Eine Familie fährt am Weihnachtsabend auf einer verschneiten Straße entlang. Die Sicht ist wegen des Schneefalls schlecht und die Straße ist glatt. Trotzdem sind alle gut gelaunt und reden aufgeregt miteinander. Von Weitem hört man einen Truck auf sie zukommen und hupen.

Was erwartest Du, was in der nächsten Szene passiert?

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Mein {Liebster Award}

Wow, ich wurde für einen „Liebster Award“ nominiert von der lieben MotherBirth (wenn ihr ihren Blog noch nicht kennt, schaut auf jeden Fall mal vorbei! Es geht um ihre Geburten, die wie meine sehr unterschiedlich waren und darum wie sie sie verändert haben. Außerdem schönes und lustiges aus ihrem Leben mit ihren beiden Kids und ihrem Herzmann). Danke, Du Liebe!

1. Einsamkeit – was bedeutet sie für dich?

Als Mama von zwei Söhnen ist man nicht so oft Einsam. Und während ich früher wirklich nicht gern allein war, genieße ich jetzt die freie Zeit, die Ruhe und dass niemand Chaos macht ;D

2. Kälte des Nordens oder Wärme des Südens?

Definitiv Wärme. Ich kann mit Wärme nicht besonders gut umgehen, aber Kälte kann ich noch weniger ab ;) Ich hab am liebsten 20-28 °C ;) Trotzdem, wenn ich wählen müsst, wäre es Wärme.

3. Hälst du Monogamie für die beste Art der Paarbeziehung? Und warum?

Ich denke nicht, dass es die eine beste Art Beziehung gibt. Die Beste Art ist die, mit der alle in der Beziehung glücklich sind. In welcher Konstellation, das muss jeder selbst wissen. Wenn Leute in einer polyamorösen Viererbeziehung leben wollen und damit glücklich sind, bin ich die letzte, die da was dagegen hat. Ich bin in meiner stinknormalen monogamen Heteroehe ganz zufrieden ;)

4. Welche positiven und negativen Charaktereigenschaften haben deine Kinder bei dir an Tageslicht gezerrt ;-) ?

Negativ: Ich war schon immer ungeduldig, leider machen zwei kleine Jungs, die ihren eigenen Kopf haben, das nicht unbedingt leichter ;)

Positiv: Ausdauer. Ich denke, trotzdem ich manchmal ungeduldig mit ihnen bin, lehren Kinder einen doch Ausdauer. Und jeden Tag weiter zu machen. Und jeden Tag aufs Neue ;)

5. Bevor du Mutter/Vater wurdest, hattest du bestimmt einige Sachen, die du auf gar keinen Fall machen wolltest. An welche hast du dich im Nachhin nicht gehalten?

Ich wollte auf gar keinen Fall einen Schnuller und eine Flasche geben. Je ein Sohn bekam dann aber die Flasche (nach 9 Monaten stillen) und der andere seinen heiß geliebten Nunni (schon ziemlich am Anfang). Beide haben es überlebt und es zeigt: Man kann sich einen Plan machen, aber die Kinder haben auf jeden Fall ihren eigenen ;)

6. Was macht für dich einen sicheren Geburtsort aus?

Dass ich selbstbestimmt entscheiden kann, welche Interventionen ich möchte und welche nicht und dass darauf Verlass ist, dass ich mit meinen Bedürfnissen und Meinungen in jedem Moment respektiert werde ohne dafür kämpfen zu müssen.

7. Wein, Bier oder kein Alkohol?

Früher Bier und Wein gleichberechtigt, heute fast gar kein Alkohol mehr (ist auch verdammt teuer in Irland ;) ).

8. Was sind deine Stärken?

Ich denke, ich kann mir sehr gut Dinge selbst beibringen und mir erarbeiten.

9. Was sind deine Schwächen?

Meine größte Schwäche ist sicherlich, dass ich mich selbst nicht vollkommen annehmen kann und mich zu negativ sehe. Aber ich arbeite daran.

10. Ist Deutschland kinderfreundlich? Und warum?

Ich denke mittlerweile (da ich seit fast einem Jahr in Irland lebe), Deutschland ist gar nicht so kinderunfreundlich wie man immer denkt. Was wir hier für Schule und KiTa ausgeben, ist wirklich horrend im Vergleich zu Deutschland und es gibt auch weniger Unterstützung (Elternzeit, Kindergeld, Elterngeld etc.). Trotzdem hat Irland die höchste Geburtenrate Europas. Und die Leute sind freundlicher, auch, aber nicht nur zu Kindern.

11. Bist du eher ein Stadtmensch, liebst du das Dorfleben oder bist du bei dieser Frage zwiegespalten?

Ich bin in der Stadt aufgewachsen und habe nie in einer Stadt unter 100.000 EW gelebt. Ich bin also definitiv ein Stadtmensch.

 

Ich nominiere (und ich weiß nicht, ob die drei die Nominierung überhaupt wollen und ob sie „klein“ genug sind für diesen Award, aber ich finde ihre Blogs einfach spitze und möchte sie deshalb hier verlinken – unbedingt mal vorbei schauen):

Tabea von Mama-Baby-Vision – auf Tabeas Blog geht es um Schwangerschaft, Geburt und Stillen. Als Kinderkrankenschwester und Mama hat sie dazu jede Menge Expertise.

Sina Jasurs Blog – Sina schreibt über Minimalismus (auch mit Kindern), unabhängiges Arbeiten und vegane Lebensweise. Ein Blog zum Horizonterweitern.

Jen von Happy Healthy Raw – Jen hat schon jede Menge Leser, aber ich nominiere sie trotzdem, weil ich ihren Blog einfach mag. Jen ist Heilpraktikerin und hat ihren Hashimoto mit einer veganen Rohkosternährung geheilt. Sie ist absolut sympatisch und bietet auch Online-Coaching an.

 

Hier sind meine 11 Fragen an die nominierten:

1) Gibt es ein Buch, dass Dein Leben verändert hat?

2) Wieso hast Du mit Bloggen angefangen?

3) In einem Satz: worum geht es auf Deinem Blog?

4) Dein Liebster oder wichtigster Artikel auf Deinem Blog?

5) Wieviel Zeit verbringst Du mit Deinem Blog und allem was damit zu tun hat?

6) Wie hat Deine Geburt Dein Mama-sein beeinflusst?

7) Wie hat Dich das Mama-sein im Positiven verändert?

8) Wie sieht für Dich der perfekte Tag aus?

9) Was machst Du am liebsten außer Bloggen?

10) Was hast Du gelernt/studiert?

11) Wofür bist Du besonders dankbar?

 

Die Regeln:

  • Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt.
  • Wenn Du magst, verlinke deine Antwort unten im Kommentar.
  • Nominiere 3 – 5 weitere Blogger für den Liebster Award.
  • Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
  • Schreibe diese Regeln in deinen Liebster Award Blog-Artikel.
  • Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.

 

 

 

 

Surrender

Often times, the greatest peace comes of surrender.

– Richard Paul Evans

surrender (engl.) – die Kapitulation, die Auslieferung, die Hingabe

Heute möchte ich über einen wichtigen Aspekt von Geburt schreiben, der mir erst kürzlich wirklich bewusst geworden ist – ohne den aber trotzdem, meiner Meinung nach, keine natürliche schmerzarme Geburt möglich ist: die absolute Auslieferung – Hingabe – Kapitualtion an den Geburtsprozess selbst.

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Geburtsplan

Life is what happens to you while you’re busy making other plans.

  • John Lennon

Wir planen unser ganzes Leben durch, manche von uns mehr manche von uns weniger. Wir wollen Sicherheit – und das wollen wir natürlich auch für die Geburt. Natürlich ist eine Geburt als solche nicht besonders gut planbar – gerade wenn es die erste ist, steht man vor einem riesigen Fragezeichen und weiß nicht, was da auf einen zukommen wird. Wenn es um einen „Geburtsplan“ geht, winken deshalb viele ab und verweisen auf die ohnehin schlechte Planbarkeit dieses Ereignisses (so wie ich bei meiner ersten Geburt). Was soll man sich vorbereiten, wenn am Ende eh alles anders kommt?

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Sprache in der Geburtsmedizin

Sprache ist mächtig. Sprache beeinflusst, wie wir uns selbst und andere sehen. Mit Sprache kann man geschickt manipulieren oder manipuliert werden. Das gilt für Politik und Wahlen, wie für Marketing und Werbung, und auch für den täglichen Umgang miteinander. Sehr oft sind uns weder die Wörter selbst noch der Wirkmechanismus bewusst, aber eins ist sicher: wie wir uns ausdrücken, bestimmt zu einem gewissen Grad wie wir denken und andersrum. Das Thema beschäftigt Hirnforscher wie Linguisten, heute wollen wir mal einen Blick darauf werfen, wie uns die Sprache in der Geburtsmedizin manipuliert. Wie tief bestimmte Denkstrukturen sitzen, fällt einem erst auf, wenn man selbst die eigene Sprache überprüft und sich kontrolliert, wie man bestimmte Sachverhalte formuliert. Bei der Vorbereitung auf eine selbstbestimmte schmerzarme Geburt ist es nötig, sich dahingehend selbstkritisch zu hinterfragen, um den eigenen eingeschliffenen Denkmustern auf die Spur zu kommen. Wie sehr eine bestimmte Prägung unsere Sprache beeinflusst, und wie tief diese Prägungen sitzen, zeigt sich erst, wenn man mal konsequent versucht sich anders auszudrücken als gewohnt.

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