#positiveGeburtskultur – Selbstbestimmung

Es ist mir egal, auf welche Art Du geboren hast… Eine Hausgeburt, ein Wunschkaiserschnitt, mit PDA im Krankenhaus oder eine Alleingeburt im Wald neben einem Rehkitz.

Es mir wichtig, dass Du Wahlmöglichkeiten hattest und dass Du in Deinen Entscheidungen unterstützt und respektiert wurdest.

January Harshe (Birth without fear)

Viele werdende Mamas (und Papas) haben keine Übersicht welche Behandlungen in der Schwangerschaft, unter und nach der Geburt sinnvoll sind und was ihnen zusteht – und vertrauen blind den Entscheidungen der Ärzte. Oftmals werden Prozeduren und Eingriffe nicht Erklärt und keine Alternativen aufgezeigt. Und wenn man selbst doch gut informiert ist, ist es immer noch schwer den behandelnden Medizinern Paroli zu bieten, selbst wenn man sich mit einer Entscheidung unwohl fühlt.


Ich spreche da (leider und wie so oft) aus eigener Erfahrung. Bei der Geburt meines ersten Sohnes lief so einiges nicht ideal. Ich sollte liegen (auf der Seite – immerhin), aber durch das Liegen kam ich mit den Wehen überhaupt nicht mehr zurecht – eine aufrechte Position wäre viel besser für mich gewesen (theoretisch wusste ich das auch). Nach der Geburt wurde meinem Sohn dann vollkommen übereilt wegen möglichen Sauerstoffmangels, die Nabelschnur durchtrennt. Ich hatte dabei keinerlei Mitspracherecht (wir wollten sie auspulsieren lassen). Ich war einfach nur überrumpelt und genauso ging es meinem Mann. Außerdem wussten wir schlicht und einfach nicht, dass es vollkommen normal ist, dass Babys die Nabelschnur um den Hals haben können und das nur selten Probleme macht oder zu Sauerstoffmangel führt. Die behandelnde Ärztin bestand jedoch darauf den pH-Wert des Blutes zu messen – und dann wird das eben so gemacht. Punkt. Und wir guckten nur dabei zu.

Wenn man im Krankenhaus ist, umgeben von „Experten“, ist es nur zu verständlich dass man sich sich leicht einschüchtern lässt oder einfach die Führung abgibt. Und bei einem so komplexen Feld wie Geburtshilfe ist es schwer als Laie den Überblick zu behalten.  Wenn also zu einem Kaiserschnitt geraten wird (zum Beispiel wegen eines angeblich zu großen Kindes) oder zu einer frühzeitigen Einleitung etc. dann muss man schon sehr viel wissen und auch sehr viel Selbstvertrauen mitbringen, um sich gegen solche (oftmals unnötigen) Eingriffe zu wehren. Viele Frauen, und ich nehme mich auch nicht aus, schaffen es nicht sich gegen die Ärzte durchzusetzen (eben auch, weil man unter der Geburt sehr verletzlich und nicht wehrhaft ist).

Wieso überhaupt?

Wenn Du Dein erstes Baby bekommst, oder vielleicht auch bei einer zweiten oder dritten Geburt, werde Dir bewusst, dass es wichtig ist, dass Du selbst bestimmst, was in Deiner Schwangerschaft und Deiner Geburt mit Dir passiert. Wir denken oft, dass Ärzte und Hebammen nur in unserem Interesse handeln. Viele (ganz bestimmt nicht alle) haben aber ihre ganz eigene Agenda und eigene Motivationen. Leider gehen viele Ärzte an Geburten heran wie an alle anderen Krankheiten, weil sie das während ihrem Studium genau so lernen und nur selten später hinterfragen. Eine Geburt ist aber keine Krankheit, sie muss in den seltensten Fällen von außen beeinflusst werden. Aber das erleben die meisten nie (welcher Arzt ist schon bei einer unbeinflussten Hausgeburt dabei?). Außerdem gibt es gerade im Krankenahus Zeitpläne und Abläufe, in denen manche Freiheiten einfach nicht reinpassen oder unbequem sind. Oder durch Personalmangel schwer möglich. Oder Dinge werden so gemacht, weil sie schon immer so gemacht werden. Außerdem sind manche Ansichten (zum Beispiel die Nachteile der Rückenlage oder des angeleiteten Pressens) einfach noch nicht zu jedem durchgedrungen. Es kann also sein, dass Du etwas willst, das Dir nicht gestattet wird, oder dass etwas mit Dir gemacht wird, das Du nicht möchtest. Und ja, auch wenn bei der Kreißsaalführung alles versprochen wird, muss das später nicht unbedingt eingehalten werden. Mache Dir (und unbedingt auch Deinem Partner) diese Problematik bewusst, falls Du das noch nicht getan hast.

Wissen ist Macht

Gerade, aber natürlich nicht nur, wenn man eine Krankenhausgeburt plant halte ich deshalb es für ausgesprochen wichtig, dass sich werdende Mamas (und der Geburtspartner!) über Sinn und Unsinn geburtsmedizinischer Eingriffe informieren um im Zweifelsfall widersprechen zu können. Wer nichts weiß, der kann auch nichts bestimmen! Du brauchst deswegen natürlich kein Medizinstudium zu absolvieren. Es gibt viele tolle Blogs (siehe zum Beispiel meine Blogroll) und Bücher zum Thema. Setze Dich mit dem Thema vorher auseinander und werde Dir klar, was Du willst, und was nicht. Vertraue nicht blind einer einzigen Quelle, informiere Dich umfassend. Und schreibe dann Deine Wünsche in einem Geburtsplan auf.
Wenn Du komplett unvorbereitet und unwissend in die Geburtssituation hineingehst, dann bist Du dem Können und der Einstellung Deiner Hebamme (und/oder des Arztes) in jedem Fall ausgeliefert (und ja, das kann natürlich auch gut gehen). Wenn Du (und Dein Partner) nichts über günstige und ungünstige Gebärpositionen weißt und die Dir (zufällig) zugeteilte Hebamme Dich eben zum Rückenliegen anleitet, dann hast Du keine Chance selbst zu bestimmen.Viele Dinge, von denen man so landläufig denkt, dass sie eine Geburt sicherer machen (zum Beispiel das CTG), machen sie objektiv gesehen gar nicht sicherer. Viele Dinge, die man als notwendig ansieht, stören aber den natürlichen Prozess der Öffnung und Entspannung bei der Geburt (zum Beispiel die Anwesenheit von vielen Personen).
Ich denke viele Ärzte tendieren dazu, Patienten, die widersprechen zu belächeln oder sie als Störung ihrer Routine zu sehen und sich über „Dr. Google“ lustig zu machen. Die Wahrheit ist: wir leben in einem Zeitalter in der Information nicht nur wenigen Studierten zugänglich ist. Auch wenn es mühsam ist, wir können uns über fast alle Eingriffe informieren und wir dürfen kritisch nachfragen. Blindes Vertrauen ist heute einfach nicht mehr nötig, nutze die Möglichkeiten, die unsere Mütter und Großmütter noch nicht hatten. Du informierst Dich eingehend über Kinderwagen- und möbel – informiere Dich genauso detailliert zu möglichen Geburtskomplikationen und Eingriffen, über Entspannungstechniken für die Geburt und deinen Geburtsort.

Selbstbestimmung – Eigenverantwortung

Oft ist so, dass man die Dinge, die einen stören nur ansprechen muss. Bei einigen Hebammen rennt man eventuell sogar offene Türen ein mit einigen Forderungen. Andere werden zähneknirschend nachgeben. Auch, und das sollte man nicht vergessen, arbeitet das Personal oft am Limit (und darüber hinaus) und Wünsche werden auch mal „vergessen“. Du musst und darfst Dein Selbstbestimmungsrecht nicht an der Kreißsaaltür abgeben, frage nach, stelle Forderungen. Aber sei darauf vorbereitet, dass Du während der Geburt verletzlicher bist und Dich weniger gut wehren kannst (ob nun gegen verbale oder physische Übergriffe oder einfach dagegen, dass Dir Deine Entscheidungsfreiheit abgesprochen wird). Ich denke, ganz besonders Dein Geburtspartner hat hier eine große Aufgabe, eben weil Du selbst in einem so emotional offenen und damit verletzlichen Zustand bist. Kein Paar sollte in einem solchen Moment kämpfen müssen – leider verläuft es aber nun mal nicht immer ideal. Lasst Euch in einem solchen Fall nicht einschüchtern, es ist Deine Geburt, Du selbst trägst die Verantwortung (kein Arzt, keine Schwester, keine Hebamme). Ob in der Schwangerschaft oder während der Geburt: sei eine mündige Patientin und fordere ein was Dir zusteht: ein Arzt-Patienten-Verhältnis auf Augenhöhe! In keiner anderen Situation würden wir uns eine solche Behandlung gefallen lassen. Nur wenn es vermeintlich um das Kindeswohl geht (und diese Keule wird schnell herausgeholt), dann lassen wir uns einschüchtern. Und dagegen gibt es nur eine Waffe: Wissen und den Mut, dieses Wissen auch anzuwenden.

Selbstbestimmung einfordern – Verletzungen anklagen

Eine ganz andere Ebene von fehlender Selbstbestimmung ist es natürlich, wenn Gebärenden Bitten abgeschlagen, Forderungen übergangen und Erklärungen verweigert werden. Eine Frau sollte während der Geburt Entscheidungen selbst treffen können (ob sie nur für oder gegen eine bestimmte Intervention sind). Es ist auch kein Konsens wenn eine Partei durch Horrorszenarien eingeschüchtert wird. Und in keinem Fall darf jemand Dich verbal oder körperlich verletzen. Auch nicht „zum Wohl des Kindes“.
Um nicht auf Gedeih und Verderb Deinem Glück ausgesetzt zu sein, eine Hebamme zugeteilt zu bekommen, mit der Du Dich gut verstehst, halte ich es für wichtig, Dein Geburtsteam schon vor der Geburt selbst gut auszusuchen. Wenn wir uns ein Auto kaufen, losen wir ja Marke und Modell auch nicht einfach aus, sondern suchen und das Auto, was zu uns und unserer Situation passt. Solltest Du keine freie Hebamme finden, die Dich begleiten kann, wäre eine Doula eventuell eine Option für Dich. Sie wird Dir helfen, Deine Wünsche und Entscheidungen durchzusetzen – und Dich falls nötig vor Übergriffen zu schützen.
Wenn Du das Gefühl hast, dass Dir Dein Selbstbestimmungsrecht während der Geburt beschnitten oder genommen wurde, dann ist es wichtig, dem betreffenden Krankenhaus bzw. der Hebamme ein Feedback zu geben. Zu viele Frauen, tun es einfach als normal ab, wie sie behandelt wurden. Aber es ist nicht normal und es ist nicht akzeptabel, wenn auf Deine Wünsche und Forderungen nicht eingegangen wird. Ein Brief, zum Beispiel am RosesRevolutionDay oder eine persönliche Rücksprache (wenn Du Dich dazu in der Lage siehst), ist dazu eine gute Möglichkeit. Die Kliniken brauchen mehr Rückmeldungen von viel mehr Frauen, damit sich die Situation von Gebärenden Frauen ändert! Wir sind es den Frauen, die nach uns kommen, unseren Freundinnen, Schwestern, Töchtern schuldig. Für eine #positiveGeburtskultur

Wenn mein Beitrag Dir gefallen hat oder Du Anmerkungen oder Diskussionsbedarf hast, dann lass es mich wissen – schreibe mir gerne einen Kommentar :)

Vielleicht bist Du selbst gerade schwanger oder planst eine Schwangerschaft und hast Angst vor der Geburt Deines Babys? Ich würde mich freuen, Dir persönlich helfen zu können (natürlich kostenlos!).

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft auf Deinem Weg.  – Susanne


 

Geburtstrauma statt Traumgeburt

Es ist ein furchtbares Thema mit dem sich bestimmt keine Schwangere gern beschäftigt. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich einen Artikel zu diesem Thema schreiben sollte, immerhin geht es hier auf meinem Blog um schöne angstfreie schmerzarme Geburten. Trotzdem, man muss darüber reden, es publik machen, aufklären. Nur wenn man über dieses Tabuthema bescheid weiß, kann man womöglich verhindern, dass es einen selbst trifft. In einer Zeit, in der viele der freiberuflichen Hebammen aufhören Geburten zu betreuuen, weil sie für noch weniger Geld einfach nicht arbeiten können, in der immer mehr Kürzungen dazu führen, dass immer weniger Personal sich in größeren Stationen um mehr Frauen kümmert, da passiert es immer häufiger: Gewalt in der Geburtsmedizin ist leider kein Einzelfall. 

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Der Angst-Spannungs-Schmerz-Zyklus während der Geburt

Was Du nicht weißt, kann weh tun, deshalb ist es so wichtig, dass Du Dich gut auskennst und weißt, wie Dein Körper während der Geburt funktioniert. Darum gibt es heute eine Info-Grafik zum Thema Angst-Spannungs-Schmerz-Zyklus während der Geburt.

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Geheimnisse einer schmerzarmen Geburt: #3 Der Geburtspartner

Die wenigsten Dinge im Leben kann man alleine schaffen. Man muss sich Unterstützung holen und für eine schmerzarme Geburt gilt das wohl noch mehr als für andere Ziele. Man braucht einen Partner, einen Vertrauten, der einem zur Seite steht, schützt, unterstützt und sich am Ende natürlich mit einem freut wenn das Baby auf der Welt ist. Dieser Geburtspartner muss nicht der Vater des Kindes sein. Viele Väter fühlen sich heute dazu gezwungen (durch Druck von Außen und „weil man es halt heute so macht“) bei der Geburt dabei zu sein. Auch mein Mann war bei den Geburten unserer Söhne dabei, weil er selbst das wollte. Wenn ein Mann sich entschließt bei der Geburt des Kindes dabei zu sein, ohne das wirklich selbst zu wollen, und vielleicht nur um der Erwartung der Außenwelt oder seiner Partnerin gerecht zu werden, tut er in meinen Augen weder ihr noch sich einen Gefallen. Wenn während der Geburt die Frau eher ihren Partner als umgekehrt unterstützen muss, oder die Hebamme mit einem aufgeregten Vater mehr zu tun hat als mit der Gebärenden, dann ist es besser, sich einen anderen Geburtspartner zu suchen. Und es ist als Mann keine Schande, nicht bei der Geburt dabei zu sein. Eigentlich ist ja Geburt schon immer Frauensache gewesen, deshalb sind ja auch die wenigsten Geburtshelfer männlich (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel und ich bin sicher, diese Ausnahme-Männer sind wundervolle Begleiter).

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