Die Macht der Verletzlichkeit

Verletzlichkeit ist ein Schatz. Oft kommt das uns natürlich nicht so vor. Und in der Schwangerschaft sind viele von uns noch verletzlicher als sonst. In der Schwangerschaft öffnen wir uns. Wir öffnen uns körperlich, wir öffnen uns emotional. Dadurch werden wir natürlich auch sehr verletzlich, viel mehr noch als wir es normalerweise sind. Diese Offenheit aber sollten wir begrüßen, nicht bereuhen. Wir öffnen uns, weil wir ein neues Leben in Empfang nehmen wollen und dafür brauchen wir emotionale Offenheit.

Wenn wir dann noch eine Idee haben, die Abseits der ausgetretenen Pfade liegt, etwa unser Baby zu Hause oder mit Hilfe von Hypnobirthing zur Welt zu bringen und davon aus gutem Grund sehr begeistert sind, dann bieten wir durch unsere Begeisterung eine große Angriffsfläche für Kritik (und sei diese noch so unberechtigt) – und das in einem Stadium großer Verletzlichkeit. Diese Kritik zu hören, gerade weil sie oft unsachlich vorgetragen wird, ist oft hart. Und oft sind wir dann versucht, in der gleichen Weise wie uns diese Kritik trifft zurück zu schlagen.

Stelle Dir folgende Situation vor: Du hast Dir gerade eine Tasse Tee oder Kaffee to go gekauft und machst Dich zu Fuß auf den Weg zur Arbeit. An der nächsten Ecke rempelt Dich ein entgegenkommender Fußgänger an und die Hälfte Deines Getränks landet auf dem Gehweg. Deine Reaktion wird mit großer Wahrscheinlichkeit von den vorherigen Ereignissen und Deiner Stimmung abhängen in der Du Dich befindest:

  1. Du hattest einen wundervollen Morgen. Sonnenschein hat Dich geweckt, Du bist ausgeschlafen, Du konntest in Ruhe Duschen und Dir Deine Lieblingsmusik anhören. Du bist entspannt und gut gelaunt. Wahrscheinlich wirst Du den unachtsamen Passanten anlächeln und sagen, dass es schon OK sei und weiter gehen.

2. Du hattest einen furchtbaren Morgen. Schon als Du Deine Augen geöffnet hast, hast Du gesehen, dass es regnet, Dein Radiowecker hat mal wieder nicht funktioniert und deshalb bist Du spät dran. Außerdem musst Du auf Arbeit gleich einen Vortrag halten, bist aber schlecht vorbereitet und deshalb angespannt. Wie wird Deine Reaktion dem Passanten gegenüber wohl ausfallen? Möglicherweise wie oben, aber möglicherweise wirst Du auch aggressiver oder patziger wegen seiner Ungeschicklichkeit reagieren.

Unsere Reaktion und auch die Reaktion unseres Gegenübers hängt stark davon ab, in welcher Situation man sich jeweils befindet, in welcher Stimmung man ist und natürlich auch wieviel Wissen man über einen bestimmten Fakt hat.

Menschen kritisieren andere oft in den Punkten, die bei ihnen selbst besonders verletzlich sind. Wenn Dein Gegenüber selbst unzufrieden mit einem Punkt in seinem/ihrem Leben ist (etwa der Geburt des eigenen Kindes, es nicht (lange) gestillt zu haben usw.), dann ist eine Strategie damit umzugehen, es einer anderen, die es besser machen möchte (etwa durch eine Hausgeburt, Hypnobirthing, Langzeitstillen) schlecht zu reden, die Idee – ohne sich damit zu beschäftigen – anzuzweifeln oder sich darüber lustig zu machen. Denn dadurch fühlt man sich selbst besser. Wenn man selbst mit seiner Situation zufrieden ist, hat man keinen Grund, andere in ihrem Weg zu kritisieren. Wenn man selbst 100 Prozent damit im Reinen ist, wie die Geburt des Kindes oder eine andere Sache gelaufen ist, gibt es einfach keinen Grund einer anderen Frau zu sagen (etwa in einem Forum oder persönlich) ihre Idee oder ihr Weg wäre absoluter Nonsens und Hokuspokus.

Derjenige der Dich auf Grund Deiner Ideen oder Deines Weges kritisiert, macht es sich leicht. Es ist dagegen eine beachtliche Leistung, sich etwas Neues oder Unkonventionelles zu trauen, einer neuen Idee zu folgen, trotz aller Kritik.

Wenn wir unsere Verletzlichkeit ausschalten, schalten wie auch die positiven Gefühle aus. Wir schalten auch Freude, Glück und Offenheit aus. Deswegen sollten wir unsere Verletzlichkeit annehmen, akzeptieren und begrüßen. Und wenn uns dann Kritik begegnet, dann sollten wir sie mit Abstand betrachten und den der uns kritisiert in seinem/ihrem Kontext wahrnehmen und entsprechend reagieren. Auch wenn es manchmal nicht leicht ist.

*Zu diesem Artikel wurde ich inspiriert von Brene Browns Buch „Verletzlichkeit macht stark: Wie wir unsere Schutzmechanismen aufgeben und innerlich reich werden“. Und von Roberts Video darüber.*


Wenn mein Beitrag Dir gefallen hat, dann lass es mich wissen, darüber würde ich mich sehr freuen. Wenn Du Fragen zum Thema oder Anregungen für weitere Artikel hast, dann schreibe mir doch gern einen Kommentar oder kontaktiere mich direkt. Vielleicht bist Du selbst gerade schwanger und hast Angst vor der Geburt Deines Babys? Ich würde mich freuen, Dir persönlich helfen zu können (natürlich kostenlos!).

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft auf Deinem Weg.  – Susanne


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