„Hausgeburten sind einfach …

… – Mütter, die ins Krankehaus gehen, sind die, die mutig sind“. Das ist der Titel eines Artikels, erschienen im letzten Dezember im britischen Telegraph. Dieser Satz spricht mir aus der Seele. Wenn man eine Hausgeburt plant, ist man leider in den Augen von fast allen (die sich nicht damit beschäftigt haben) nicht  mutig, sonder eher verrückt und leichtsinnig.

Am Beginn meiner ersten Schwangerschaft stand fest, ohne jeden Zweifel: natürlich gehe ich ins Krankenhaus, ist doch klar. Ich hatte darüber nicht weiter nachgedacht, weil es doch normal ist, dass man ins Krankenhaus geht, das machen alle so, das muss gut so sein (dass das in vielen Fällen nicht zutrifft war mir damals noch nicht bewusst). Außerdem ist es doch viel zu riskant im Geburtshaus oder gar zu Hause zu entbinden. So dachte ich damals, vor knapp sechs Jahren. Es war mir aber damals schon klar, dass ich eine natürliche Geburt und auch keine wildfremde Hebamme bei der Geburt dabei haben wollte. Deshalb lies ich mich von den Beleghebammen des wundervollen Geburtshauses in Jena betreuen und plante meine Geburt im Klinikum Weimar. Während meiner Schwangerschaft und durch den Kontakt mit den Geburtshaushebammen dämmerte es mir, dass außerklinische Geburten tatsächlich nicht mit mehr Risiko behaftet sind, als Klinikgeburten (Statistiken dazu gibt es hier). In meiner zweiten Schwangerschaft war dann klar, ich möchte mein Baby außerklinisch bekommen. Aber wieso eigentlich?

Ich denke, jeder Schwangeren ist die Sicherheit ihres Babys bei der Geburt am wichtigsten und ich möchte an dieser Stelle noch mal sagen: außerklinische Geburten sind für gesunde Schwangere mit gesunden Babies nicht unsicherer als Klinikgeburten. Das ist eine Illusion, der wir uns gerne hingeben, weil wir – in unserem heutigen Sicherheitsdenken verhaftet – gerne eine hundertzehnprozentige Sicherheit haben wollen, dass alles gut geht. Im oben genannten Artikel (und in einigen weiteren) wird darüber berichtet, dass das zwar eine über Jahrzehnte verbreitete Meinung sein mag, aber nicht mit der Realität übereinstimmt: außerklinische hebammenbetreute Geburten sind für gesunde Schwangere ohne besonderes Risiko sogar sicherer als Klinikgeburten, das stellt der NHS (National Health Service) im Vereinigten Königreich fest.

Wieso ist das so? Was sind gute Gründe, was sind meine Gründe für eine Hausgeburt?

Für eine normale Geburt braucht man Privacy, also Privatsphäre. Dafür dass eine Geburt funktioniert muss man allein sein; oder zumindest müssen so wenig Personen anwesend sein wie es geht, die man so gut wie möglich kennt wie möglich. Andernfalls können die fein abgestimmten Hormonwechselwirkungen im Körper der Gebärenden leicht gestört werden. Das kann zu Hause natürlich viel besser umgesetzt werden als im Krankenhaus.

Hebammenbetreute Geburten sind zudem mit weniger Interventionen und mit geringeren Kaiserschnittraten korreliert. Oft wird durch eine erste Intervention im Krankenhaus eine Interventionskaskade ausgelöst, die nicht selten (immerhin bei deutschlandweit über 30 %) in einem Kaiserschnitt enden. Freie Hebammen haben meiner Erfahrung nach ein sehr feines Gespür dafür, wann sie intervenieren können, dürfen oder müssen, sie behandeln Frauen mit großem Respekt, eine Erfahrung, die ich mit Krankenhauspersonal und Frauenärzten leider nicht gemacht habe.

Untersuchungen mit Mäusen haben gezeigt, dass ein Ortswechsel während der Geburt zu Komplikationen führen kann [1]. Und dass das nicht nur auf Mäuse sondern auch auf Menschenfrauen zutrifft, kann man in zahlreichen Geburtsberichten im Netz nachlesen. Oft genug hören die Wehen von Gebärenden bei Ankunft im Krankenhaus wieder auf. Das ist biologisch gesehen sehr sinnvoll. Wenn ein Weibchen unter der Geburt ihren Rückzugsort verlassen muss, dann ist es notwendig, dass die Geburt stoppt. Biologisch gesehen unterscheiden wir uns nicht von Steinzeitmenschen und unser Körper weiß nicht, dass der Umzug in Krankenhaus keine Gefahr bedeutet. Bei einer Hausgeburt steht man vor diesem Problem nicht, und auch nach der Geburt kann man sich erschöpft und glücklich mit dem neuen Menschlein ins Bett hinein kuscheln und muss nicht in einem schmalen Krankenhausbett Platz nehmen und den frisch gebackenen Papa nach Hause schicken.

Ich wollte zudem eine 1:1 Betreuung unter der Geburt. Diese hatte ich zwar schon bei der ersten Geburt, weil ich ja eine Beleghebamme hatte, die wirklich nur für mich zuständig war, aber die meisten Frauen die ins Krankenhaus kommen haben dieses „Privileg“ nicht. Oft hetzt eine Hebamme zwischen mehreren Kreißsälen hin und her und das trägt sicher nicht zu einer sicheren Geburt bei. Bei einer Hausgeburt wird die Hebamme mit Argusaugen darüber wachen, dass sich die Gebärende und ihr Baby in Sicherheit befinden und falls wirklich eine Verlegung notwendig sein sollte, wird sie diese veranlassen.

Damit es kein Missverständnis gibt. Ich bin ganz sicher nicht gegen Kaiserschnitte oder andere Interventionen, wenn sie notwendig sind, wenn sie medizinisch tatsächlich indiziert sind. Das Problem ist nur, dass durch Zeitnot oder Unwissen oder übertriebenes Sicherheitsdenken im Krankenhaus Interventionen vollkommen unnötig gemacht werden. Und das führt (zusammen mit anderen Faktoren) dazu, dass Geburten als so schmerzhaft und oft traumatisch wahrgenommen werden. Und vieles davon kann man (leichter) vermeiden, wenn man gleich zu Hause bleibt.

Und was sind Deine Gründe für eine Hausgeburt?


Wenn mein Beitrag Dir gefallen hat, dann lass es mich wissen, darüber würde ich mich sehr freuen.  Wenn Du Fragen oder Anregungen hast, dann schreibe mir doch gern einen Kommentar oder kontaktiere mich direkt. Vielleicht bist Du selbst gerade schwanger und hast Angst vor der Geburt Deines Babys? Ich würde mich freuen, Dir persönlich helfen zu können.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft auf Deinem Weg.  – Susanne


J A Lothian: Do Not Disturb: The Importance of Privacy in Labor. J Perinat Educ. 2004 Summer; 13(3): 4–6. PMC1595201 LINK

3 Gedanken zu “„Hausgeburten sind einfach …

  1. Ich dachte nie daran eine Hausgeburt machen zu wollen. Ich fand das Krankenhaus auch komplett normal in diesem Zusammenhang. Das macht mal halt so. Ich wollte allerdings auch eine Beleghebamme. Das stand ganz fest. Und darum kümmerte ich mich schon früh in der ersten Schwangerschaft. Bei der Suche nach Hebammen kam ich auf die Seite meiner zukünftigen Hausgeburtshebamme. Die Geburtsberichte auf ihrer Seite brachten mich zum heulen und ich wollte mich mit diesem Weg auseinander setzen. Ein erster Termin mit ihr wischte alle Zweifel vom Tisch. Ich dachte danach, wie man so verrückt sein könnte in ein Krankenhaus zu gehen, für eine Sache, die die Natur schon immer erfolgreich meistert. (Ausgeschlossen natürlich bei Komplikationen. Da wäre ich auch in ein Krankenhaus gegangen. Ganz klar.)
    Und so bekam ich schon mein erstes Kind zu Hause. Und es war klar, für die weiteren käme nichts anderes in Frage. Hat alles super geklappt. Die Schmerzen waren erträglich. Für die dritte Geburt schlug mir meine Hebamme auch Hypnobirthing vor. Ich war allerdings nicht wirklich bereit. Vielleicht ahnte ich, dass sich der „Aufwand“ es zu erlernen nicht gelohnt hätte. Da ich alle Wehen bis zur Übergangsphase immer super veratmen konnte und auch unter den Geburten durch konzentriertes Atmen super zurecht kam, hatte ich auch keine Angst vor den Schmerzen der jeweils nächsten Geburt. Die dritte Geburt ging sehr schnell. Ich wäre mit Hypnobirthing nicht weit gekommen. Ich hätte es wahrscheinlich nicht mal „aktivieren“ können :-D Das Kind war einfach SCHNELL. :-D
    Sollte sich ein 4. Kind bei uns einschleichen, würde ich jedoch die Hypnobirthing-Geschichte mal ausprobieren wollen. :-)

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