Geheimnisse einer schmerzarmen Geburt: #3 Der Geburtspartner

Die wenigsten Dinge im Leben kann man alleine schaffen. Man muss sich Unterstützung holen und für eine schmerzarme Geburt gilt das wohl noch mehr als für andere Ziele. Man braucht einen Partner, einen Vertrauten, der einem zur Seite steht, schützt, unterstützt und sich am Ende natürlich mit einem freut wenn das Baby auf der Welt ist. Dieser Geburtspartner muss nicht der Vater des Kindes sein. Viele Väter fühlen sich heute dazu gezwungen (durch Druck von Außen und „weil man es halt heute so macht“) bei der Geburt dabei zu sein. Auch mein Mann war bei den Geburten unserer Söhne dabei, weil er selbst das wollte. Wenn ein Mann sich entschließt bei der Geburt des Kindes dabei zu sein, ohne das wirklich selbst zu wollen, und vielleicht nur um der Erwartung der Außenwelt oder seiner Partnerin gerecht zu werden, tut er in meinen Augen weder ihr noch sich einen Gefallen. Wenn während der Geburt die Frau eher ihren Partner als umgekehrt unterstützen muss, oder die Hebamme mit einem aufgeregten Vater mehr zu tun hat als mit der Gebärenden, dann ist es besser, sich einen anderen Geburtspartner zu suchen. Und es ist als Mann keine Schande, nicht bei der Geburt dabei zu sein. Eigentlich ist ja Geburt schon immer Frauensache gewesen, deshalb sind ja auch die wenigsten Geburtshelfer männlich (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel und ich bin sicher, diese Ausnahme-Männer sind wundervolle Begleiter).

Egal wie man sich entscheidet, beide Partner sollten zufrieden mit der Entscheidung sein. Genauso gut kann auch die Mutter, die Schwester, die beste Freundin oder eine professionelle Doula die Gebärende unterstützen, der werdende Vater kann sich ja ganz in Nähe aufhalten, ohne direkt bei der Geburt dabei zu sein, wenn das der Weg ist für den sich das Paar gemeinsam entschieden hat.

Der Geburtspartner spielt eine essentielle Rolle unter der Geburt. Er sollte sich deshalb sehr intensiv mit dem Thema auseinander setzen, sich besonders auf eventuelle Komplikationen vorbereiten und er muss sich während der Geburt Selbst sehr zurück nehmen. Seine Aufgaben sind:

Kommunikation mit der „Außenwelt“

Alles „Unwichtige“ oder Organisatorische sollte während der Geburt zuerst mit dem Geburtspartner besprochen werden und nicht mit der Gebärenden. Sprache ist eine evolutionär recht neue Erfindung uns sie stimuliert den Neokortex, also die Großhirnrinde unseres Gehirns. Der Geburtsprozess wird aber von einem viel älteren Teil des Gehirns gesteuert, der durch zu viel Denken, Grübeln oder Reden „übertönt“ werden kann. Bei der Geburt soll sich die Gebärende auf ihren eigenen Planeten (nach Michel Odent) zurück ziehen beziehunsweise tief enspannt sein (G. Dick-Read) oder sich in Hypnose befinden (Hypnobirthing), zu viel Kommunikation stört jeden dieser Zustände.

Deshalb ist es am besten, so wenig wie möglich mit ihr zu reden und in jedem Fall zu warten bis sie bereit dazu ist. Ich zum Beispiel habe mich unter eine Wehe komplett in mich selbst zurück gezogen und war auf meine Atmung konzentriert, konnte aber dazwischen kurze Fragen beantworten ohne dass ich meine Entspannung verloren hätte. Während der Wehe habe ich stoisch einfach nicht reagiert, höchsten kurz den Kopf geschüttelt. Und der Partner sollte dann sensibel genug sein, dies zu erkennen und zu akzeptieren.

„Verteidigung“ gegen die Außenwelt

Dieser Punkt ist besonders wichtig, wenn man sich für eine Krankenhausgeburt entscheidet und kann natürlich auch als „Kommunikation“ gelten. Trotzdem widme ich dem einen eigenen Punkt um die Bedeutung klar zu machen.  (Wieso ich immer wieder eine Hausgeburt anstreben würde, kannst Du hier lesen)

Viele Interventionen während der Geburt sind unnötig (häufige vaginale Untersuchungen, dauerhaftes CTG, wehenfördernde Mittel, vorzeitiges Abklemmen der Nabelschnur) und als Gebärende hat man schlicht nicht die Kapazitäten (anderer Planet und so), sich mit der Außenwelt herumzustreiten. Natürlich sollte man sich vor der Geburt im Klaren sein, welche Interventionen man wünscht und welche nicht, aber während der Geburt sollte die Gebärende so wenig wie möglich darüber nachdenken müssen. Deshalb muss das der Geburtspartner übernehmen und mit renitenten Hebammen oder übervorsichtigen Ärzten diskutieren. Dazu muss er natürlich wissen, was die Gebärende will und was sie nicht will und muss in der Lage sein, dies ruhig aber bestimmt zu kommunizieren. Für eine Krankenhausgeburt würde ich deshalb immer einen Geburtsplan schreiben, auf dem vermerkt wird, welche Eingriffe wann gemacht werden dürfen und diesen gegebenfalls schon bei der Anmeldung im Krankenhaus besprechen (eine Garantie, dass die Geburtshelfer und -mediziner sich daran halten werden gibt es natürlich nicht). Natürlich muss am Ende die Gebärende Eingriffen zustimmen, das sollte jedoch ganz am Schluss stehen.

Der Geburtspartner ist teilweise (bei einer Krankenhausgeburt ohne Beleghebamme) die einzige bekannte Person. Da Vertrautheit und Privatsphäre für den Geburtsprozess so essentiell sind, sollte sich der Geburtspartner nur im absoluten Notfall wegschicken lassen und auch nur wenn die Gebärende einverstanden ist.

Anker und Unterstützung bei der Hypnose

Wenn man eine schmerzarmen Geburt anstrebt, kann man den Partner in die Übungen vor der Geburt einbeziehen. Man kann zusammen einen Anker setzen (zum Beispiel eine sanfte Berührung der Schulter), das bedarf jedoch einiger Übung und gemeinsamer Sitzungen. Außerdem kann der Partner entspannende sanfte Steichelmassagen durchführen. Durch die sanfte Berührung werden Glückshormone ausgeschüttet, die helfen Anspannung und Angst entgegenzuwirken.

Außerdem kann der Partner die Gebärende anleiten, die Atmung richtig auszuführen und sie immer mal wieder daran erinnern, entspannt zu sein und ihr helfen, falls Sie die Entspannung verliert oder sie Angstgefühle entwickelt. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ihr Anker.

Alle diese Aufgaben erfordern eine intensive Beschäftigung mit dem Thema, die nicht unterschätzt werden sollte. Die Vorbereitung des Partners ist genauso wichtig wie die der Gebärenden und er sollte ebenso von der Methode und von einer sanften Geburt überzeugt sein wie die Gebärende.

Zusammen könnt ihr es schaffen, so wie mein Mann und ich <3 und tausende andere Paare.


Wenn mein Beitrag Dir gefallen hat, dann lass es mich wissen, darüber würde ich mich sehr freuen.  Wenn Du Fragen oder Anregungen hast, dann schreibe mir doch gern einen Kommentar oder kontaktiere mich direkt. Vielleicht bist Du selbst gerade schwanger und hast Angst vor der Geburt Deines Babys? Ich würde mich freuen, Dir persönlich helfen zu können (natürlich kostenlos!).

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft auf Deinem Weg.  – Susanne


6 Gedanken zu “Geheimnisse einer schmerzarmen Geburt: #3 Der Geburtspartner

  1. Dieser Artikel wirbelt einige Gedanken in mir auf. Meinst du eine angenehme entspannte Geburt ist ohne eine aktive hypnotische Unterstützung durch einen Partner möglich? Oder ist das evtl. nur schwer alleine zu bewältigen? Da ich die Erfahrung einer hypnobirthingGeburt bisher noch nicht selbst gemacht habe, kann ich da leider nicht viel dazu sagen oder es mir noch nicht gut genug vorstellen.

    LG

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo du Liebe :)
      Erstmal vielen Dank für Deinen Kommentar, ich freue mich sehr (Du bist die erste!) Vielen Dank für Dein Vertrauen :)
      Ich denke man braucht auf jeden Fall einen Partner. Ich habe meinen Mann nicht aktiv als Unterstützung gebraucht, weil ich sowieso ruhig und entspannt war und daher keine Unterstützung dahingehend brauchte. Es war mir aber wichtig zu wissen, dass er im Notfall da wäre um mich daran zu erinnern ruhig zu atmen und meine Muskeln zu entspannen. Auch als Schutz wollte ich ihn haben, um zum Beispiel bei einer Verlegung ins KH meine Vorstellungen umsetzen zu können. Wenn du keinen Mann hast, könnte eine Freundin diese Aufgabe übernehmen. Eine professionelle Doula könnte auch helfen, Doulas sind sozusagen nichtmedizinische Geburtshelferinnen, die sich um Dein Wohl kümmern. Es gibt schon einige in Deutschland. Ich bin sicher, man kann es auch ohne Partner schaffen, wenn man viel Mut und Selbstvertrauen hat und eine gute verständnisvolle Hebamme die alle Wünsche respektiert, trotzdem würde ich immer jemanden vertrauten dabei haben wollen (denjenigen kann man ja immer noch wegschicken wenn man wirklich ungestört sein will). Viele Grüße und vielen Dank noch mal für deinen Kommentar. Wenn du weitere Fragen hast, schreib mir gerne, das würde mich freuen. Susanne

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